(B)rocken-Benefiz-Sternfahrt

Ich hatte dieses Event schon Anfang des Jahres in der Terminübersicht bei Helmut auf den Fahrradseiten gesehen. Aber 200km fahren und dann zum Ende hin auch noch nur noch bergauf? Ich war mir ja nicht mal sicher, ob ich als Flachlandtiroler so einen Berg wie den Brocken ohne einen Marathon vorweg schaffe. Schließlich ist das Scharnebecker Schiffshebewerk – mit satten 20 Metern Höhenunterschied eine der höchsten Erhebungen hier in der näheren Umgebung – nicht wirklich vergleichbar. Vor der Anmeldung wollte ich also auf jeden Fall einmal den Brocken ohne Anlauf ausprobieren. Nicht ganz 2 Wochen vor der Sternfahrt ergab sich dann endlich die Gelegenheit zum Probelauf. Und der lief gut genug, dass ich die Anmeldung wagte. Es war zwar anstrengend, aber doch irgendwie zu schaffen, auch wenn ich mir an der einen oder anderen Stelle noch eine kleinere Übersetzung als 39-28 gewünscht hätte.

Brocken - Startort Hannover Am 11.07.2015 war es dann soweit. Frühmorgens um kurz vor 7 stand ich in Hannover auf dem Parkplatz und wartete mit ca. 30 weiteren Fahrern auf den Startschuss. Der verzögerte sich dann erst mal, da direkt am Start schon der erste Schlauch gewechselt werden musste. Aber dann ging es los und wir rollten in meist geordneter Zweierreihe von Hannover Richtung Süden. Hinter uns sicherten unsere zwei Begleitfahrzeuge das Feld ab. Anfangs dachte ich immer, die Autofahrer in der Region wären so unglaublich freundlich, weil bei jedem Überholvorgang mit kurzem Hupen darauf aufmerksam gemacht wurde. Bis mir auffiel, dass es unser Begleitfahrzeug war, das jedes Mal kurz Zeichen für uns gegeben hat. Wie auch immer, es war gut so und gefühlt wurden wir auch vorsichtiger überholt, als man es normal gewohnt ist. Vermutlich gaben die Begleitfahrzeuge dem ganzen auch einen Hauch von offizieller Veranstaltung, was zu entsprechender Zurückhaltung bei anderen Verkehrsteilnehmern führte. Brocken - Pause 1 Bis zur ersten Pause nach 75 Kilometern lief alles recht gemütlich. Wir stärkten uns am Begleitfahrzeug des Scheibendoktors aus Garbsen, bevor es in die ersten Steigungen ging. Hier machten wir schon jeweils 100-150 Höhenmeter, die uns der Zielankunft auf dem Brocken aber erst mal nur in der Horizontalen näher brachten, denn nach jedem Anstieg folgte meist auch gleich wieder eine entsprechende Abfahrt.

Brocken - Pause 2 Bei Kilometer 135 stand dann die zweite Pause an. Auch hier zauberte der gelbe Transporter wieder Leckereien hervor, die wir mit idyllischem Ausblick verzehren konnten. Als es gerade wieder weitergehen sollte, gab es erneut eine Reifenpanne, so dass nach der recht üppig bemessenen Pause noch etwas mehr Zeit ins Land ging. Danach kam es dann aber gleich richtig heftig: Kurz nach der Landesgrenze zwischen Niedersachen und Thüringen erwartete uns eine kurze, dafür um so knackigere Steigung mit bis zu 19% laut meinem Tacho. Auch wenn es danach noch mal wieder runterging, wurden die Anstiege jetzt doch langsam länger und die Abfahrten kürzer. Kurz vor Walkenried war nach ca. 160 Kilometern dann endgültig der Punkt gekommen, an dem es nicht mehr möglich war, die Gruppe vernünftig beieinander zu halten. Vorher wurde spätestens am Ende der Abfahrt noch wieder auf die Nachzügler gewartet, aber jetzt stand uns ein knapp 15 Kilometer langer Anstieg bevor und kurz (ok, 12km) danach stand schon die letzte Pause in Elend auf dem Plan. Schon jetzt war klar, dass nicht mal die schnellsten Fahrer der Gruppe die für Elend angepeilte Ankunftszeit von 14:30 Uhr noch schaffen würden.Brocken - Einsam am Berg Also fuhr ab jetzt jeder für sich. Wenn man erst mal seinen eigenen Rhythmus gefunden hat, ist es auch nur noch halb so schlimm. Mann muss einfach nur den Schweinehund daran hindern, ständig nach Pausenmöglichkeiten am Straßenrand Ausschau zu halten 😉 Lange Strecken war ich wirklich nur im kleinsten Gang mit 12-13km/h unterwegs, das aber konstant und gleichmäßig. So konnte ich tatsächlich noch 2 oder 3 Fahrer ein- und überholen, die aus der schnelleren Gruppe vor mir herausgefallen waren, weil sie sich mit dem Tempo wohl doch etwas übernommen hatten.

Um 15:45 Uhr war auch ich dann endlich in Elend angekommen – und das Elend hatte für mich dort ein Ende. Die Entscheidung dazu hatte ich schon auf den letzten Kilometern getroffen. Nach bis hier schon 2100 Höhenmetern waren meine Beine einfach leer (ich erinnere noch mal an den Flachlandtiroler) und ich wusste, dass mich bis zur Brockenspitze noch einige deutlich steilere Teilstücke erwarten würden als bisher. Dazu kam, dass die geplante Zusammenführung der 3 Startorte der Sternfahrt – Leipzig, Hannover und Berlin – nicht wirklich geklappt hatte. Die schnellsten Fahrer aus Hannover müssen ungefähr 50 Minuten hinter der geplanten Zeit gewesen sein, was den Leipzigern aber offenbar zu lange war, um zu warten. Ich persönlich finde das sehr schade, denn das Ziel einer Sternfahrt ist es doch gerade, dass sich alle Teilnehmer von allen Startorten zur selben Zeit an einem Ort treffen. Vielleicht sollte man die Fahrzeit beim nächsten Mal doch noch etwas großzügiger planen. Ein 28er Schnitt mag für die meisten im Flachland kein Problem darstellen, wenn dann aber noch einige Höhenmeter dazukommen, wird es für viele einfach schwer. Alternativ könnte man bei den Pausen etwas mehr auf die Zeit achten. Es fühlte sich gar nicht so lange an, aber laut Strava haben wir einmal 35 und einmal 45 Minuten Pause gemacht, 10 oder 15 Minuten weniger hätten es vermutlich auch getan, aber man quatscht sich dann halt auch irgendwie fest, ich weiß 😉 Ich war mit meiner Entscheidung zum vorzeitigen Abbruch übrigens nicht allein. Auch andere Fahrer entschieden sich, nicht mehr bis hoch auf den Brocken zu fahren. Einige fuhren noch den Anstieg Richtung Schierke mit, an dessen Ende sich unsere Wege dann endgültig trennten. Für sie ging es rechts bergab nach Wernigerode Richtung Jugendherberge, für mich nach links Richtung Parkhaus in Schierke. Am Parkhaus traf ich dann noch einen Teilnehmer aus Berlin, der dort auch auf seine Familie wartete, um dann gemeinsam nach Hause zu fahren.

Auch wenn ich mein gestecktes Tagesziel nicht erreicht habe, bleibt der Tag doch in schöner Erinnerung. Nette Gespräche unterwegs, gute Verpflegung und eine anspruchsvolle Strecke, was will man denn mehr? 4500€ für gemeinnützige Organisationen zum Beispiel, die durch Startgelder, Tombola (am Abend in der Jugendherberge) und Spenden zusammengekommen sind. Somit: Ziel erreicht trotz DNF 🙂

Vielen Dank an Hallzig Express e.V. und die RSG Hannover für die Organisation dieses Events! Hier zum Schluss noch mal eine kurze Zusammenfassung der Tour in bewegten Bildern.