Brevet – Frühjahrsbegegnung 2016

Das war sie also, meine erste Frühjahrsbegegnung. Letztes Jahr hatte mir noch eine starke Erkältung kurz vor dem Termin einen Strich durch die Rechnung gemacht, dieses Jahr hatte ich mehr Glück und hatte es trotz unzähliger angeschlagener Bürokollegen geschafft, mich nicht anstecken zu lassen. Für mich stand die Langstrecke auf dem Programm, schließlich wollte ich sehen, was mein Wintertraining auf der Rolle so gebracht hat.
Nach einer kurzen Ansprache von Michael, in der er auch noch mal an Helmut erinnerte und dass es ohne seine Beharrlichkeit wohl keine der beiden kürzeren Strecken gegeben hätte, setzten wir uns in Bewegung. Schon nach 3 Kilometern gab es für mich den ersten unplanmäßigen technischen Halt. Es war aber nicht der schleichende Plattfuß, den ich am Start vermutet hatte, da mir der Vorderreifen etwas schlapp vorkam. Ich hatte nur vergessen, das Smartphone zur Trackaufzeichnung von der Trikot- in die Satteltasche zu verfrachten. Das anschließende Aufschließen auf eine der vorderen Gruppen sorgte dann jedenfalls dafür, dass zumindest die Muskulatur nicht mehr kalt war.
Im Gegensatz zu meinem ersten Brevet, dem Herbsterlebnis 2014, war das Tempo am Anfang dieses Mal moderat und angenehm. In Bleckede schrumpfte das Fahrerfeld etwas, da die Teilnehmer an Helmuts Hunderter hier abbogen, um über die Elbe zu setzen. In kleinerer Gruppe ging es für den Rest weiter bis zur Fähre in Neu Darchau, wo wir unsererseits auf unsere Überfahrt warteten. Für das sonst in Neu Darchau fast obligatorische Eis zur Pause war es heute allerdings doch noch etwas kalt. Nur ein paar Grad weniger und wir hätten die Räder einfach zu Fuß ans andere Ufer schieben können. Während wir warteten drehte die Fähre noch einige Pirouetten auf der Elbe, Gerüchten zufolge zu Ehren eines 88jährigen Geburtstagskindes. Michael hatte die Bezahlung der Fähre bereits im Vorfeld organisiert, so dass wir theoretisch nur noch unsere Handzettel für die Kontrollstation abstempeln lassen mussten. Praktisch reichte es aber schon aus, in der Gruppe als Rennradfahrer unterwegs zu sein. Da ich keine Punkte sammle und mir die Kontrollen daher egal sind, habe ich nichts stempeln lassen, wurde aber auch nicht nach dem Zettel als Ticket gefragt.
Auf der anderen Elbseite teilte sich die Gruppe dann erneut. Die 150km-„Mini“-Runde bog Links ab und machte sich bereits wieder auf den Weg zurück. Wir fuhren auf der Langstrecke erst mal weiter mit leichtem Wind im Rücken elbaufwärts bis Strachau, wo wir unseren größeren Richtungswechsel vollzogen. Ab dort ging es grob Richtung Norden und Mecklenburg weiter. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke machten wir in Lübtheen eine Viertelstunde Mittagspause. Der Bäcker dort hatte nicht mehr viel in der Auslage, weil er in wenigen Minuten Feierabend machte. Zum Glück gab es im Supermarkt direkt daneben eine Backstation, die für mich ein frisches Käsebrötchen und eine Käselaugenstange bereithielt. Nach dem Mittag ging es weiter Richtung Wittenburg. Leider behielt der Wetterbericht recht und der Wind begann aufzufrischen. Anfangs war das noch nicht so schlimm, da er meistens nur von der Seite kam. Ab Wittenburg fuhren wir dann aber wieder mehr Richtung Nordwest und somit ziemlich genau gegen den Wind. Seit der Pause war unsere Gruppe auf 7 Fahrer geschrumpft und jeder brachte sich nach seinen Kräften vorne im Wind ein. Ich habe natürlich mal wieder vergessen, nach allen Namen zu fragen, aber vorne rechts fuhr die meiste Zeit Patrick, der meinte, das Training gebrauchen zu können. Dagegen hatte natürlich niemand etwas einzuwenden und so wechselten wir vorne häufig nur auf einer Position.
Nach 155km gab es in Dutzow, etwas nördlich vom Schaalsee, den letzten großen Richtungswechsel. Ab jetzt ging es grob Richtung West/Südwest und somit wieder zurück Richtung Aumühle. Bis hierhin lief es erstaunlich gut, aber auch bei mir begannen die Kräfte langsam etwas nachzulassen. Die wellige Landschaft Mecklenburgs forderte nun ihren Tribut. Ein Fahrer unserer Gruppe hatte bereits seit Lübtheen Probleme mit Krämpfen, so dass wir zwischendurch immer mal wieder kurze Pausen einlegten. Auch die 15 Minuten Pause bei der letzten Kontrolle in Mölln halfen ihm aber nicht und so entschloß er sich ca. 30km vor dem Ziel, alleine eine längere Pause zu machen. Von da an fuhren wir also zu sechst weiter und kamen in dieser Gruppe dann auch kurz nach 17 Uhr wieder in Aumühle an. Für mich ging es nach kurzer Verabschiedung direkt auf 4 Rädern weiter nach Hause. Wer wollte, konnte aber im Vereinsheim auch noch duschen und bekam ein Reis-Curry zur Stärkung.
Nachdem ich anfangs skeptisch war, ob ich mir so eine lange Strecke so früh in der Saison und bei so niedrigen Temperaturen antun will, muss ich im Rückblick sagen: Zum Glück habe ich es getan. Strecke und Wetter waren super, teilweise kam sogar die Sonne durch. Und so kalt wie befürchtet war es mit 5 Lagen Kleidung auch nicht. Nur für Hände und Füße muss ich mir noch etwas überlegen, die waren trotz Handschuhen und Schuhüberziehern am Ende doch recht durchgefroren. Was meine Fitness anging, war ich positiv überrascht, dass ich die ersten 150km problemlos durchfahren konnte. Auch zum Ende hin hatte ich keine Probleme mit Krämpfen wie bei meinen ersten Brevets. Es war sogar noch soviel Kraft da, um am kleinen Schlussanstieg in Friedrichsruh noch einmal richtig Gas zu geben. Das Wintertraining auf der Rolle scheint wohl doch nicht so schlecht gewesen zu sein, auch wenn da natürlich nie diese Distanzen zustande kommen.

Strava - Frühjahrsbegegnung 2016