Mein erstes Mal

Das war also mein erstes Brevet. Körperlich eine ziemliche Grenzerfahrung. Die Finger sind am Tag danach fast die einzigen Körperteile, die mir nicht weh tun. Aber so kann ich hier immerhin ein paar Zeilen schreiben.

Als mein privater Hol- und Bring-Service mich um halb 8 auf dem Parkplatz absetzte, herrschte schon Hochbetrieb. Also wurde nur schnell das Rad ausgeladen und dann der Parkplatz für einen Dauerparker freigemacht 🙂 Die anschließende Anmeldung verlief dank Dreckschleuders perfekter Organisation schnell und reibungslos. Da ich als Erstteilnehmer noch nicht wusste, wie ich unterwegs am Besten navigiere, hatte ich mir alle Hilfsmittel (Karte, Wegbeschreibung, Track) „bestellt“ und nahm diese auch in Empfang. Im Nachhinein hätte es auch der Track getan, aber das wusste ich vorher ja noch nicht.

Um kurz nach 8 ging es dann nach einer kurzen Ansprache von Dreckschleuder auf die Strecke. Bis zur ersten Kontrolle in Dahlenburg fuhren wir in einer großen Gruppe mit deutlich höherem Tempo, als ich es erwartet hatte. Ein Teil der Gruppe holte sich an der Tankstelle einen Stempel, andere fuhren zum Sky-Markt weiter. So bildeten sich ab Dahlenburg mehrere Gruppen. Das Tempo war für meinen Geschmack allerdings weiterhin zu hoch, so dass ich mich ungefähr bei Kilometer 80 aus der Gruppe fallen ließ. Ich hatte eigentlich gehofft, dass von hinten eine etwas langsamere Gruppe kommt, bei der ich mich wieder anhängen kann. Leider blieb es nur bei der Hoffnung. Entweder war ich doch noch zu schnell, um eingeholt zu werden oder hinter mir kam tatsächlich nicht mehr viel. Das Ende vom Lied: Ich fuhr bis zur Fähre in Neu Darchau ca. 55km alleine. Dank dem hervorragenden Track von Dreckschleuder und dem Oregon am Lenker war aber auch das kein Problem. Den Track hätte ich mir aber vielleicht auch vorher mal genau anschauen sollen. Denn irgendwann ab Kilometer 120 kam mir die Strecke plötzlich wieder bekannt vor, als es auf die Elbuferstraße ging. Mir schwante Böses: Jetzt also auch noch der Kniepenberg. Bevor es das richtig steile Stück hochging, gönnte ich mir dann auch noch eine kurze Pause – einer der Vorteile, wenn man alleine unterwegs ist und nicht an einer Gruppe dranbleiben muss. Der Gedanke, eine Umfahrung zu suchen, wurde schnell wieder verworfen. Track ist Track also musste ich da hoch. Es war dann auch gar nicht so schlimm, wie bei den anderen Malen dieses Jahr, vor allem, weil ich gar nicht mehr in der Lage war, Tempo zu machen und so von vornherein fast mit der kleinsten Übersetzung fuhr. Nach dem Anstieg lief es bis Neu Darchau recht entspannt weiter. Am Fähranleger traf ich dann endlich wieder auf andere Teilnehmer 🙂

Gemeinsam ging es in kleiner Gruppe auf der anderen Elbseite weiter bis Neuhaus. Am dortigen Bäcker teilten wir uns dann schon wieder, 2 fuhren weiter, während wir zu dritt noch kurz etwas zur Stärkung kauften. Dort traf ich auch einige meiner Trainingskollegen, die heute auf einer eigenen kleinen Tour unterwegs waren und dort zufällig auch gerade Pause machten. So klein ist die Radlerwelt 🙂 Nach der Stärkung konnte ich trotzdem nur noch etwas mehr als 10km mit meinen beiden Mitfahrern mithalten, die wieder ein recht zügiges Tempo vorlegten. Ich merkte jetzt doch ganz stark, dass ich mich in einem Leistungsbereich bewege, der Neuland für mich ist, denn meine bislang längste Strecke waren 155km. Erschwerend kam sicher noch hinzu, dass ich urlaubsbedingt 3 Wochen nicht mehr auf dem Rad gesessen habe. So war heute bei Kilometer 160 noch mal eine kurze Pause nötig. Während ich am Straßenrand stand und überlegte, ob ich mich vielleicht doch einfach von meinem Abholservice einsammeln lassen soll, fuhr ein Liegeradfahrer mit zwei RG Uni Fahrern im Schlepptau vorbei. Also schwang ich mich doch wieder schnell aufs Rad und schaffte es auch, die kleine Gruppe einzuholen und mich anzuhängen. Im Windschatten ging es mir dann wieder etwas besser. Vor mir im Wind wurde noch gemütlich gequatscht, während ich schon die Zähne zusammenbeißen musste, um den Anschluss nicht zu verlieren. Aber niemand hat gesagt, dass die Klassik-Variante einfach werden würde. So wurde jeder weitere Kilometer ein Kampf gegen den Schweinehund. 15 Kilometer vor dem Ziel wurden wir dann von einer schnelleren Gruppe eingeholt. Die beiden RG Uni Fahrer konnten deren Tempo mitgehen, ich versuchte es zu diesem Zeitpunkt gar nicht erst. Von dieser Stelle aus noch mal ein herzliches Dankeschön an die beiden für den gespendeten Windschatten. Ohne diese kleine Hilfe hätte mein Schweinehund vielleicht gewonnen.

So rollte ich die letzten Kilometer wieder allein vor mich hin. Als der Tacho dann endlich einstellige Restkilometer anzeigte, wusste ich, stellte sich trotz der schmerzenden Knochen leichte Euphorie ein. Es lagen jetzt nur noch ein paar Wellen im Sachsenwald und die Steigung hinter Friedrichsruh vor mir. Alles auf bekannter Strecke ohne Überraschungen. Und so erreichte ich dann auch wenig später erschöpft aber glücklich das Ziel.

Die Trackaufzeichnung bei Strava ist leider unvollständig, da der iPhone-Akku bei meinem Tempo nur für 218km reichte. Beim nächsten Mal muss ich also schneller fahren oder doch einen Zusatzakku mitnehmen. Heute reichte es laut Radcomputer für eine Gesamtzeit von 8:08 Stunden (7:36 Stunden in Fahrt) auf insgesamt 226km. Einen 25er Schnitt hatte ich mir vorgenommen, den Rest könnt ihr euch selber ausrechnen 🙂
Fertig wie ich war, wollte ich jetzt eigentlich nur noch nach Hause und die Beine hochlegen. Aber da war ja noch der leere Akku. Mad.Mat (das warst du doch, oder? War mir in „Zivil“ nicht ganz sicher) rettete mir dann den Nachmittag und lieh mir sein Handy, damit ich meinen Shuttle-Service anrufen konnte. Vielen Dank noch mal!

Fazit: Ja, ich kann 225 Kilometer fahren. Und ja, es ist kein Zuckerschlecken. Ob ich mir das noch mal antue? Über diese Frage kann ich bis zur Frühjahrsbegegnung ja noch etwas nachdenken. Heute morgen hätte ich noch gesagt niemals, mittlerweile tut aber schon alles etwas weniger weh und ich würde es nicht mehr ausschließen. Auf jeden Fall werde ich dann aber einen Akku-Pack in die Satteltasche und mir mehr Verpflegung in die Trikottaschen stopfen.