Elbauen-Göhrde-Brevet

Im Fazit zum letzten Rennrad-Artikel war ich ja noch unschlüssig, aber eigentlich war damals schon klar, dass mein erstes Brevet nicht auch mein letztes bleiben würde. Die ursprünglich geplante Frühjahrsbegegnung Mitte März musste ich dann aber krankheitsbedingt ausfallen lassen, denn pünktlich zum Termin hatte mich eine schwere Erkältung außer Gefecht gesetzt und mein Hausarzt hatte mir ausdrücklich von einer Teilnahme abgeraten. Immerhin bin ich mittlerweile vernünftig genug, solchen Anweisungen folge zu leisten.

Zusätzlich hatte es das Frühjahr wettertechnisch ja nicht besonders gut mit uns Schönwetterfahrern gemeint – zu kalt, zu feucht, zu windig – aber vorgestern passte es dann endlich mal. Angekündigt waren angenehme 23°C bei leichter Bewölkung und Wind. Ganz ohne Haken geht es dieses Jahr offenbar nicht.

Samstag früh zeigte sich dann, dass die Vorhersage nicht gelogen hatte: Schon vor dem Start um 8 Uhr war das Thermometer bei knapp 20°C, so dass ich mich zum ersten Mal in diesem Jahr oben kurz und unten kurz auf die Strecke wagte. Bei Strava sieht man schön, wie die Teilnehmer nach und nach eintrudeln, sofern sie schon mit dem Rad anreisten. Das war mir von Lüneburg aus dann doch etwas weit, ich reiste wie meistens rechtzeitig mit dem Auto an. Die Anmeldung lief gewohnt schnell und routiniert ab und so hatte ich noch etwas Zeit, die noch müden Muskeln etwas zu dehnen (Foto BS).
Komplettes Album von BSEin Blick in die Runde ließ mich mich weder mir namentlich bekannte Gesichter noch weitere Teilnehmer in HFS-Trikots entdecken, so dass ich mich nach den Hinweisen der Veranstalter auf die Gefahrenstellen einfach mal bei den ersten Startern einreihte, die die Strecke unter die Räder nahmen.

Bis Lüneburg hatten sich dann schon Grüppchen ähnlicher Geschwindigkeit gebildet. Bei der dortigen Streckenteilung entschied sich der Großteil meiner Gruppe dann gegen die Mini-Variante und bog auf die 220km-Strecke ab. Gut für mich, denn ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt entschlossen, mit der Gruppe zu fahren, egal ob kurz oder wie angemeldet lang. Schnell war klar, dass wir das Brevet zusammen zu Ende fahren würden und so spulten wir nach einem kurzen Halt beim Bäcker in Oedeme Kilometer um Kilometer mit unserer bunt gemischten Gruppe ab. Ich sollte mir wirklich mal angewöhnen, meine Mitfahrer nach ihren Namen zu fragen, dann wüsste ich jetzt nicht nur, dass ich mit Sonja von der HRG und Kati vom FC St. Pauli gefahren bin (die beiden haben sich im Ziel noch vorgestellt), sondern auch, wer die beiden Herren in unserer Gruppe waren. Bis zur Fähre in Neu Darchau bei Kilometer 117 lief alles recht rund. Das Tempo stimmte und die Führungsarbeit wechselte regelmäßig, wenn auch ein sechster Fahrer schön gewesen wäre, da es sich mit einer geraden Anzahl gleichmäßiger wechseln lässt.

Auf der anderen Elbseite traf uns auf dem Deich dann die volle Wucht des Windes. Mit jedem Kilometer zog er uns mehr die Kraft aus den Muskeln und das gefahrene Tempo ging dementsprechend runter. Da half es auch nicht, dass unsere Zugmaschine von der RG Uni vorne alles gab, von hinten wurde immer häufiger „kürzer“ gerufen. In Boizenburg war dann erstmal eine längere Pause angesagt. Das Thermometer am Tacho zeigte 29°C in der Sonne und so holten wir uns im örtlichen Konsum nicht nur Getränke und etwas zu Essen, sondern gönnten uns auch ein kleines Eis zur Erfrischung. Die im Kampf gegen den Wind verbrannten Kalorien hätten aber wahrscheinlich auch schon bis hier eher für eine ganze Eisfabrik gereicht. Irgendwann war dann aber auch die schönste Pause vorbei und es ging weiter, denn noch lagen 75km vor uns und die hatten es wieder in sich. Der Wind von vorne war weiterhin unser konstanter Begleiter. Kurz vor Horst sammelten wir noch 2 weitere Fahrer ein (laut Strava müssten das Simon und Hannes gewesen sein), die erstmal freudig „hinten in den Bus“ einstiegen und dann mitrotierten. 20 Kilometer vor dem Ziel ereilte Sonja dann auch noch ein Plattfuss, der aber mit vereinten Kräften behoben werden konnte. Über die damit verbundene zusätzliche Pause war natürlich auch niemand böse. Die Kräfte ließen jetzt doch merklich nach und so war dann nur 10 Kilometer später noch mal eine kleine Motivationspause nötig. Die Gruppe fährt entweder gemeinsam ins Ziel oder gar nicht 😉 Kurze Zeit später war es dann fast geschafft und als wir das Ortsschild passierten, waren Sonja und ich uns einig: Noch nie waren wir so froh, Wilhelmsburg zu sehen. Im Ziel wartete das Empfangskomitee der Hamburger schon auf uns und wir wurden in der Starterliste als Finisher abgehakt. Da es mittlerweile schon etwas später als geplant war, ging es für mich nicht mehr ins Schweinske, sondern nach kurzer Verabschiedung direkt nach Hause.

Fazit: Ja, ich habe es wieder getan und es nicht bereut. Abgesehen vom Wind war es ein sehr schöner Tag auf dem Rad in einer netten und sehr gut harmonierenden Gruppe. Am Ende standen laut Fahrradcomputer (Strava ist mit den Pausenzeiten nicht so genau) 218km in 8 Stunden und 6 Minuten reiner Fahrzeit zu Buche.