Presseartikel belasten die Natur

Presseartikel belasten die Natur

So müsste die Überschrift vieler Artikel der letzten Tage, die über Geocaching berichtet haben, eigentlich lauten. Es scheint gerade wieder akute Sommerlochstimmung in den Redaktionen zu herrschen, wenn ich mir alleine das anschaue, was mir Google News in den letzten Tagen ins Postfach geschwemmt hat.

    Geocacher ärgern Umweltschützer und Höhlenretter (Bild.de wie immer stark verkürzt)
    Die dunkle Seite der Navigation: Was Geocaching anrichtet. (Call Magazin)
    Geocaching: Moderne Schatzsuche belastet die Natur Focus.de
    GPS-Schnitzeljagd verärgert Umweltschützer Spiegel.de
    Moderne „Schnitzeljagd“ Geocaching – Riskant für Teilnehmer und Umwelt n-tv.de

Von den ganzen kleineren Artikeln über Geocaching im Tourismusverband Hintertupfingen oder der siebenunddreißigsten Auflage von Geocaching in der Jugendarbeit will ich hier gar nicht erst anfangen. Der immer wieder leicht abgewandelte dpa-Artikel, der den 5 Beispielen zugrunde liegt, war wirklich die Höhe in letzter Zeit. Insbesondere, wenn man die Hintergründe kennt, wie dieser Artikel entstanden ist. Schnitzel hat in seinem Blog (feuchtimschritt.de/wp/?p=1088) dazu Stellung genommen, da sein „project cave“ Event – ein, so stellte es sich für die Teilnehmer dar, erfolgreiches Event, um Umweltschützer, Höhlenretter und Geocacher zu einem Dialog zusammenzubringen – der Auslöser war. Selbst einer der Höhlenretter hat sich dort in einem Kommentar (#8) zu Wort gemeldet, diesen Eindruck bestätigt und die Zeitungsartikel kritisiert. Nach der Lektüre dieser Stellungnahme verwundert der Tenor des dpa-Artikels natürlich um so mehr, zeigt er doch, dass die Presse offensichtlich nur das schreibt, was ihr für die Auflage dienlich erscheint. Fakten sind da nur hinderlich und so werden die in jeder Gruppe vorhandenen schwarzen Schafe mal schnell in den Mittelpunkt gestellt und als Beleg dafür verwendet, dass Geocacher eine Gefahr für Natur, Umwelt und sich selbst darstellen. Übersehen wird dabei, dass diese Personen innerhalb der Geocacher-Community eine Minderheit darstellen und auch entsprechend Gegenwind bekommen. Was mir im Umfeld der Diskussionen um den Artikel auch sauer aufstößt, ist der Versuch der DWJ, sich mit einer Pressemitteilung als Retter und Beschützer des Geocachings zu profilieren. Inhaltlich ist die dort geäußerte Kritik am dpa-Artikel vollkommen korrekt, sie kommt nur von falscher Stelle. Geocaching braucht keine Vereinsstrukturen (und auch keinen Verein, der meint, die Interessen von Geocachern vertreten zu müssen), denn das wäre das endgültige Ende des Hobbies, wie ich es kennen und lieben gelernt habe.

Um jetzt aber mal auf meine ursprüngliche Aussage im Titel zurückzukommen: Was die Damen und Herren Journalisten vergessen, wenn sie in ihren Artikeln Kritik am Geocachen äußern ist, dass sie selbst durch ihre Berichterstattung immer wieder dazu beitragen, dass Geocaching noch bekannter wird. Und mit steigendem Bekanntheitsgrad erhöht sich auch die Anzahl der Spielteilnehmer, die sich wie die Axt im Walde benehmen. Wussten anfangs nur wenige technikbegeisterte Enthusiasten um das Hobby, betreibt es heute überspitzt gesagt jeder, der die 3 Buchstaben G*P*S auf seinem Handy fehlerfrei identifizieren kann. Durch positive Artikel (z.B. Spiegel.de, manager-magazin.de, Abendblatt.de) wurde erst der Trend befeuert und jetzt wundert man sich über die Konsequenzen. Das man durch die andauernde Berichterstattung selbst zu den exorbitant hohen Zuwachsraten bei Geocachern und Geocaches beigetragen hat, das man ein ursprünglich von wenigen Personen im Verborgenen ausgeübtes Hobby ins Rampenlicht gezerrt und medial ausgeschlachtet hat, das man mit allen Mitteln versucht, dieses Hobby als massenkompatible Freizeitbeschäftigung darzustellen, das interessiert hinterher in den Redaktionen niemanden mehr. Nur die nächste Schlagzeile zählt.

Man redet nicht über Geocaching. Das ist die Lektion, die jeder, der weiterhin ungestört Geocachen möchte, aus diesem Pressedebakel lernen sollte. Leider erwarten uns demnächst schon die nächsten Grausamkeiten: Geocaching auf der Messe TourNatur (welcher Verein da seine Finger mit drin hat, brauche ich wohl nicht extra erwähnen) und Fernsehbeiträge bei n-tv und ARD sind wohl auch zu erwarten.

Einige lernen die Lektion wohl leider nie.

Thematisch passender Beitrag (leider nach 6 Monaten noch aktueller als zur Veröffentlichung): Wieviel Öffentlichkeit verträgt Geocaching?