Medialer Brechdurchfall

Einen traurigen Höhepunkt erlebte die Berichterstattung über Geocaching gestern Abend bei RTL. Wer bis dahin noch geglaubt hatte, TV-Reportagen wären gut für das Hobby, der sollte spätestens mit diesem Machwerk vom Gegenteil überzeugt worden sein. Kein Fehler wurde ausgelassen, schlimmer geht es nun wohl wirklich nicht mehr. Und ehe jetzt der Einwand kommt, man hätte ja selbst mitarbeiten können und nicht jede Presseanfrage abwiegeln müssen: Meint wirklich jemand, das hätte etwas gebracht? Immerhin hatte RTL sich schon einen selbst ernannten Geocaching-Experten angelacht, der damit sogar sein Geld verdient. Glaubt ernsthaft jemand, man hätte da auf die Einwände eines kleinen Geocachers gehört, der das alles nur zum Spaß betreibt? Ich denke nicht.

Wie wenig Ahnung dieser „Experte“ tatsächlich hatte, zeigte sich dann leider auch recht schnell, als es zu einem von seiner Firma extra ausgelegten Multistation in einen Sexshop ging. Klar, irgendwie zielgruppengerecht und bei dem Sender vorhersehbar, aber leider total am Thema Geocaching vorbei. Wer nun dachte, damit das Schlimmste schon überstanden zu haben, wurde enttäuscht. Es ging jetzt fröhlich auch an anderen Schauplätzen weiter, wobei nicht nur ein echter Cache massiv gespoilert wurde. Zumindest einer der Owner hat daraus heute auch schon die Konsequenzen gezogen und seinen Cache deaktiviert, um jetzt erst mal nach einem Ersatzversteck zu suchen. Abgesehen von gespoilerten Caches gab es aber noch mehr zu sehen. Nämlich alles das, was man beim Geocachen tunlichst unterlassen sollte. Auffällig mit den Geräten in der Gegend herumwedeln zum Beispiel. Oder Natursteinmauern bei der Suche auseinander nehmen – gar keine gute Idee. Auch die Lebensmittel im schnell gelegten eigenen Cache gehören in die Kategorie „Geht gar nicht“ (mal abgesehen von der mangelnden Erfahrung der beiden Selbstdarsteller). Fremde Fahrradtaschen zu durchwühlen würde ich auch besser nicht empfehlen. Es gab sicher noch einiges anderes, was ich jetzt an Grausamkeiten vergessen habe. Ich bin aber noch nicht wieder in der Verfassung, um mir den Beitrag aus Recherchegründen erneut anzuschauen.

Die realen Auswirkungen des Beitrags konnte man heute übrigens schon z.B. im Geoclub beobachten. Hier häuften sich heute die Anfragen von frisch angemeldeten Usern, die Geocaching auf dem Silbertablett serviert haben wollten. Einfach mal selber suchen (darum geht es doch beim Geocaching) und informieren: Fehlanzeige. Solche unselbständigen User sind aber leider häufig auch diejenigen, die sich wenig Gedanken um ihre Umwelt machen und damit nicht selten erheblichen Flurschaden anrichten, was dann wieder auf die Allgemeinheit der Geocacher zurückfällt.

14 Gedanken zu „Medialer Brechdurchfall“

  1. Na wenigstens war die Hamburger Stadtführerin mit der richtigen Sucheinstellung vertraut. Aber für sie blieb ja kaum Zeit bei der Selbstdarstellung der beiden mir bis dato völlig unbekannten Komiker.

    Gruß aus dem Taunus
    Elke

    PS: ich habe nur geschaut, weil es um Ffm und Umgebung ging. Man müsste vorher wissen, dass die einen Dreh vorhaben, dann könnte man seine Caches für die Zeit in Sicherheit bringen!

  2. Kann man sich das noch mal ‚antun‘ um auch mitreden zu können? Ich finde weder bei RTL noch auf der Seite der Sendung das Video.

    Danke!

  3. Das die Internetpräsenz als das bewertet wird was sie ist, nämlich elendig, schien wohl nicht so gut anzukommen. Gegenüber gestern abend >100 „elendig“ Votes waren’s heute morgen nur noch 39. Gleich mal neu abstimmen 🙂

  4. Dieser Beitrag ist wirklich traurig. Warum müssen zwei Comedians, wenn sie schon Geocaching aufs Korn nehmen so einen Mist verzapfen? Hätten sie sich nicht bei ihren Kollegen Rat holen können?
    Zum Thema Neulinge hätte ich noch eine Idee. Warum kann man solche unbedarften Interessenten nicht „an die Hand“ nehmen und ihnen Geocahing beibringen? Was spricht dagegen sie mit auf eine Tour zu nehmen, so kann man ihnen die Regeln beibringen und ihnen zeigen, dass es nicht wie bei RTL ist.

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