Samstag, 11. Mai 2013

Tucson: Arizona-Sonora Desert Museum

Arizona-Sonora Desert MuseumNachdem der gestrige Tag ganz im Zeichen der Technik stand, wollten wir uns heute mehr mit der heimischen Flora und Fauna beschäftigen. Da sich insbesondere die Tierwelt nur schwer in der freien Natur beobachten lässt, entschieden wir uns für einen Besuch im Arizona-Sonora Desert Museum auf der anderen Seite von Tucson. Das Museum ist im weitesten Sinne ein Zoo, welcher sich auf heimische Tier- und Pflanzenarten beschränkt. Dank des gestern im PIMA Air & Space Museum erstandenen Tucson Attractions Passport bekamen wir auch hier wieder die zweite Eintrittskarte geschenkt.

Rebellisch wie wir sind, ignorierten wir die im Übersichtsplan empfohlene Gehrichtung und starteten unsere Runde im Uhrzeigersinn. Der Rundgang war in verschiedene Themenbereiche aufgeteilt. Im ersten Bereich drehte sich alles um die Bestäubung der Pflanzen durch Insekten, Schmetterlinge und Vögel. Besonderes Highlight in diesem Bereich war das Kolibrihaus.
Kolibri
Überall schwirrte und surrte es um uns herum. Man musste richtig aufpassen, wie man sich bewegt, denn bei einer zu hastigen Bewegung konnte es gut passieren, dass man einen der gefiederten Hubschrauber im Flug erwischte. Da die Kolibris so schnell und unruhig unterwegs waren, war auch das Fotografieren mehr ein Glücksspiel. Mit etwas Geduld gelangen mir dann aber doch ein paar halbwegs scharfe Bilder der kleinen Federkugeln.
SpinneKakteen vor Landschaft
Auf dem weiteren Weg ging es als nächstes in den Untergrund. Hier war – hinter Glas – zu sehen, was alles so unter dem Wüstenboden lebt oder auch schläft. Sehen hieß in diesem Fall eher erahnen, da es doch ziemlich dunkel war. Die Kamera zeigt hier im Nachhinein mehr, als das bloße Auge teilweise sehen konnte. Da es hier aber angenehm kühl war, ließen wir uns trotzdem etwas Zeit, bis wir uns wieder ans Tageslicht wagten. Dort warteten dann wieder Kakteen in allen Formen und Farben auf uns. Besonders häufig sieht man auch außerhalb des Museums den Saguaro-Kaktus (Carnegiea gigantea). Diese 12-15 Meter hohen Kakteen sind sozusagen die Bäume Arizonas, denn klassische Laubbäume, wie wir sie in Europa kennen, sucht man hier meistens vergebens. Durch ihren Durchmesser von 30-70cm sind sie auch ein beliebter Nistplatz für die heimischen Gilaspechte, die sich bevorzugt in den Saguaro-Kakteen ihre Bruthöhlen bauen.

Größenvergleich

Verschiedene Kakteen

Es gab außer Kakteen natürlich noch mehr zu sehen. Im Themenbereich ‘Uferzone’ sahen wir Dickhornschafe (ein Bergbereich endete am Wasser), Biber, Otter und Nasenbären. Was wir nicht sahen, waren die Schildkröten. Denen war auch zu warm und sie hatten sich ausnahmslos unter ihre schattigen Unterstände verzogen. Zum Glück hatten nicht nur die Schildkröten Schattenspender, sondern auch wir als Besucher. In regelmäßigen Abständen gab es kleine Pavillons, sogenannte Ramadas, die die Gelegenheit boten, sich etwas im Schatten zu erholen. Auch für den Flüssigkeitshaushalt wurde dort in Form von Wasserspendern gesorgt. Wenn das Wasser frisch und kalt aus dem Spender getrunken wurde, schmeckte man das im Trinkwasser allgegenwärtige Chlor auch nicht so heraus.
Real Desert Experience
Auf dem Desert Loop Trail wurde es dann ‘gefährlich’. Eine halbe Meile pure Wildnis, 800 Meter durch tiefste Wüste, fernab jeglicher Zivilisation – abgesehen mal von den Ramadas und Wasserspendern unterwegs. Wir nahmen das Warnschild zur Kenntnis und machten uns trotzdem auf den Weg, der uns als erstes zu einem Eidechsen-’Gehege’ führte. Normale Eidechsen liefen uns schon den ganzen Tag im Park über den Weg, hier im Gehege sonnten sich allerdings einige besondere Arten, unter anderem eine Chuckwalla-Echse. Die fühlte sich zum Glück nicht von uns bedroht, denn sonst hätte sie sich in eine Felsspalte zurückgezogen und sich darin aufgeblasen, damit man sie nicht herausziehen kann (Frau Kescherbande hatte vor Jahren mal die Frage, was die Chuckwalla-Echse bei Bedrohung tut, an ‘Genial daneben’ geschickt, daher waren wir bestens informiert).
Auf dem weiteren Weg hielten wir Ausschau nach der Nabelschweinherde, auf die auf diversen Hinweisschildern immer wieder hingewiesen wurde. Den Schweinen war aber offensichtlich auch zu heiß, um in der Sonne herumzulaufen. An keinem der gekennzeichneten Beobachtungspunkte war etwas zu sehen. Erst etwas weiter auf dem Weg konnten wir ein einzelnes Schwein entdecken, dass es sich im Schatten unter einer kleinen Brücke bequem gemacht hatte. Kurz danach trottete dann noch ein Kojote parallel zum Weg – alles natürlich hinter einem Zaun.
Coyote
Nachdem wir am Ende des Wüstenrundwegs angekommen waren, warteten noch die zwei Themenbereiche Wüstengraslandschaft und Bergwälder auf uns. Dort sahen wir unter anderem Kanadareiher, Weißwedelhirsche, Schwarzbären und Präriehunde. Ein Berglöwengehege gab es auch, hier wies bei unserem Besuch aber leider nur ein Schild darauf hin, dass die beiden Berglöwen in Rente geschickt wurden und sie ihren Lebensabend in einem neuen Gehege abseits der Öffentlichkeit genießen dürfen. Sie hätten sich aufgrund des Alters in dem für Besucher zugänglichen Gehege nicht mehr wohlgefühlt. Es sei ihnen gegönnt. Damit schloss sich der Kreis und wir waren wieder am Eingang angekommen. Mittlerweile war es kurz nach eins und draußen wurde es langsam unangenehm heiß, so dass wir uns darauf freuten, gleich im Auto die Klimaanlage anwerfen zu können.