Donnerstag, 16. Mai 2013

Mesa Verde National Park

Heute stand ein Besuch im Mesa Verde National Park auf dem Plan. Danach sollte es noch nach Blanding weitergehen, um am nächsten Tag schon ein paar Kilometer weniger zu fahren zu haben. Da das Besucherzentrum des Nationalparks bereits um 8 Uhr öffnet, starteten wir entsprechend früh am Motel. Vorher ließ ich mir aber die Gelegenheit nicht nehmen, auch den Bundesstaat Colorado in meiner Geocachingstatistik zu erfassen. 50m neben unserem Motelzimmer fand sich passenderweise ein einfacher Traditional Cache GC48CVN, der vor der Abfahrt noch schnell geloggt wurde.
Mesa Verde NP Visitor Center
Um 5 Minuten vor 8 waren wir am Parkplatz, wo uns bereits ein Park Ranger begrüßte. Bis um 8 hatte er uns dann auch schon das Wichtigste über die angebotenen Rangertouren zu den beiden großen Felsensiedlungen Cliff Palace und Balcony House erzählt, so dass wir nach Öffnung nicht mehr lange überlegen mussten, wann und in welcher Reihenfolge wir beide besuchen wollten. Die Tickets für beide Touren gibt es im Besucherzentrum für jeweils 3 Dollar pro Person. Eine Vorbestellung ist nicht möglich, weswegen gerade in der Hauptsaison frühes Erscheinen notwendig ist. Wie empfohlen hatten wir als Erstes die Cliff Palace Tour um 9 Uhr gebucht, um anschließend um 11 Uhr das Balcony House zu besichtigen.

Es war jetzt 5 Minuten nach 8 und wir mussten uns bereits beeilen, um pünktlich am Startpunkt zu sein. Das Besucherzentrum liegt nämlich verkehrsgünstig am Eingang des Nationalparks, direkt an einer Bundesstraße. Die Touren starten aber mitten im Park. Nach ungefähr 45 Minuten Fahrzeit und einigen Höhenmetern standen wir am richtigen Parkplatz, wo sich langsam die Gruppe sammelte.

Cliff Palace

Cliff Palace von oben
Während wir auf unsere Park Rangerin warteten, konnten wir uns von oben schon mal ein Bild verschaffen. Langsam füllte sich der Treffpunkt am Aussichtspunkt mit weiteren Teilnehmern. Leider war auch eine komplette Schulklasse dabei, wodurch die Gruppe ziemlich groß wurde. Die Schüler waren aber erstaunlich ruhig und diszipliniert, so dass wir den Ausführungen der Rangerin gut folgen konnten.
Die Gebäude wurden ungefähr zwischen 1190 und 1260 errichtet und unterhalten. Schon um das Jahr 1300 wurde die Siedlung aber wieder aufgegeben und erst 1888 wieder entdeckt. Wie schon bei den anderen von uns besuchten Indianersiedlungen ist man sich auch hier uneins darüber, wieso die Siedlung verlassen wurde. Eine vermutete Ursache ist eine mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte anhaltende Dürreperiode, die die von den Indianern oben auf der Mesa betriebene Landwirtschaft zum Erliegen brachte.
Auf dem Bild unten stehen wir gerade an einer der mehr als 20 Kivas der Siedlung. Kivas sind die kreisrunden Veranstaltungs- und Zeremonienräume in den Pueblo-Kulturen. Aufgrund der großen Zahl an Kivas hier in Cliff Palace vermutet man, dass es sich um ein religiöses Zentrum gehandelt haben könnte. Auch heute noch kommen Nachfahren der Pueblo-Indianer hierher, um in den Kivas ihre Kultur zu pflegen und Kontakt mit ihren Vorfahren aufzunehmen.
Kiva im Cliff Palace
Nach ungefähr 1,5 Stunden Führung stiegen wir durch eine enge Felsspalte wieder aufwärts und zurück zum Startpunkt. Extra für uns Touristen wurden hier Stufen in den Fels geschlagen und an einigen Stellen Holzleitern angebracht. Die Indianer vor 800 Jahren hatten nur kleine Kerben im Fels, die ihnen beim täglichen Aufstieg zu ihren Feldern auf der Mesa halfen. Zurück am Parkplatz ging es gleich mit dem Auto weiter zum Balcony House. Da es nicht weit war, hatten wir vor Beginn der nächsten Führung sogar noch ein paar Minuten, um etwas zu essen und dabei den herrlichen Ausblick auf die schneebedeckten Ausläufer der Rocky Mountains in der Ferne zu genießen.

Balcony House

Balcony House - Schaubild
Im Gegensatz zum Cliff Palace kann man das Balcony House von Startpunkt der Tour aus nicht sehen. Ohne Führung bleibt einem nur das Schild, um sich ein ungefähres Bild davon zu machen. Alternativ kann man sich aber auf eine Wanderung zum Soda Canyon Overlook begeben. Von dort hat man einen guten Blick auf die Felsensiedlung. Pünktlich um 11 Uhr kam dann der Park Ranger, um uns zur Besichtigung abzuholen. Um ins Balcony House zu gelangen, mussten wir als erstes auf einer Metalltreppe ein gutes Stück nach unten gehen. Von dort ging es dann über eine große Holzleiter wieder ungefähr 10 Meter aufwärts. Oben angekommen befanden wir uns dann schon mitten in der Siedlung.
Balcony House - Leiter
Unser Ranger erzählte wieder viel zur Geschichte der Siedlung. Auch wenn wir einiges davon bereits von der vorherigen Tour kannten, gab es trotzdem noch genug Neues zu erfahren. Und jeder Ranger bringt dann ja auch seine persönlichen Lieblingsgeschichten unter, so dass es nicht langweilig wurde. Beiden Siedlungen gemein ist am Ende vor allem die Tatsache, dass die meisten Aussagen nur auf Vermutungen basieren, da keinerlei Aufzeichnungen existieren.
Die namensgebende Besonderheit – das Balcony House – ist übrigens wenig spektakulär. An einigen Gebäuden sind die Deckenbalken des Erdgeschosses durch die Wand nach außen geführt. Teilweise liegen auf diesen Balken noch Reste von weiteren Holzbalken, die somit eine Art Balkon bilden. Ob er auch als Balkon im modernen Sinne genutzt wurde, lässt sich aber nicht sicher sagen. Da die gesamte Siedlung für die Führungen als Einbahnstraße angelegt ist, ging es jetzt weiter durch einen schmalen Tunnel in einen weiteren Bereich.
Balcony House
Hier befand sich unter anderem wieder eine Kiva – die einzige Kiva im Balcony House. Nach weiteren Ausführungen des Rangers zu ihrer rituellen Bedeutung war es dann schon wieder Zeit für uns, sich Richtung Ausgang zu begeben. Vor dem Ausgang stand uns aber erst noch ein niedriger Tunnel bevor, durch den wir auf allen Vieren kriechen mussten. Meinen Rucksack musste ich vor mir herschieben, da der Tunnel zu flach war, um ihn auf dem Rücken zu behalten. Als durchschnittlich gebauter Europäer braucht man sich aber keine Sorgen machen, dort steckenzubleiben, immerhin passt auch der Durchschnittsamerikaner hindurch.
Ausstieg aus dem Balcony House
Danach ging es über in den Fels gehauene Stufen wieder zurück nach oben zum Ausgangspunkt unserer Tour. Für die Indianer war dieser Weg der einzige Zugang zum Balcony House und somit einfach zu verteidigen. Im Gegensatz zu damals hatten wir aber auch hier etwas zusätzliche Sicherheit durch beidseitig angebrachte Geländer. Für Besucher mit Platz- oder Höhenangst könnte der Ausstieg aus dem Balcony House aber trotzdem schon eine kleine Überwindung bedeuten, denn links vom Geländer geht es doch ziemlich weit hinunter.

Mesa Verde nach Blanding

Ursprünglich hatten wir vor, nach den beiden Führungen noch einen Trail im Nationalpark zu wandern. Da es aber erst kurz nach 12 war, bot sich für uns die Möglichkeit, das Dinosauriermuseum in Blanding, unserem Übernachtungsort, zu besuchen. Das Museum schließt wie so ziemlich alle Museen, Ausstellungen und Parks auf unserem Weg um 17 Uhr, weshalb wir es bei der Planung gar nicht in Betracht gezogen hatten. Von Mesa Verde sind es ungefähr 2,5 Stunden Fahrt, dazu kommt dann noch der Wechsel der Zeitzone, so dass wir gegen 16 Uhr in Blanding ankommen sollten. Also ging es kurz entschlossen wieder on-the-road.

Der Plan ging auf und wir checkten kurz nach 4 im Hotel ein, um danach zu Fuß (es waren nur 300m) zum Museum zu gehen. Als wir dort ankamen, dachten wir im ersten Moment, es wäre geschlossen. Es sah aber nur so aus und wir hatten noch ungefähr 45 Minuten zur Besichtigung der Ausstellung. Waren wir anfangs noch davon ausgegangen, uns aufgrund der limitierten Zeit auf die wichtigsten Bereiche konzentrieren zu müssen, zeigte sich leider schnell, dass das gar nicht nötig war. Die Ausstellung war nicht sehr umfangreich und die meisten Exponate waren eher schlechte Nachbildungen von Ausgrabungsfunden. Wir fanden alles ziemlich unstrukturiert und es fehlte irgendwie ein roter Faden, der durch die Ausstellung führte. Insgesamt war das Museum also leider recht enttäuschend und so waren wir nach nicht einmal einer halben Stunde schon wieder draußen.
Danach ging es wieder zurück ins Hotel. Normalerweise haben wir ja einen Bogen um die richtigen Low-Budget-Hotelketten gemacht, das Super-8-Hotel hier in Blanding hatte aber so gute Bewertungen, dass wir es einfach mal ausprobiert haben. Bis auf das extrem instabile WLAN gab es auch nichts zu bemängeln. Das Zimmer war sauber, was schon immer die halbe Miete ist. Da Blanding ansonsten ein eher trostloses Städtchen ist, legten wir die Beine hoch und machten uns einen ruhigen Abend.