Dienstag, 14. Mai 2013

Grand Canyon – Bright Angel Trail

Bright Angel TrailheadHeute stand einer der Höhepunkte des Urlaubs auf dem Programm. Wir wollten uns früh um 6:30 Uhr auf den Weg in den Grand Canyon machen und 20km auf dem Bright Angel Trail bis zum Plateau Point und zurück wandern. Obwohl wir unser Gepäck (hauptsächlich Essen und Wasser, viel Wasser) schon am Abend vorher vorbereitet hatten, schafften wir es natürlich nicht, pünktlich zur selbst gesetzten Zeit am Startpunkt zu sein. Auf dem Weg zum Parkplatz hielten uns dann noch ein paar Wapitihirsche auf, die es anscheinend richtig toll fanden, halb auf der Straße herumzustehen. Da der normale Wanderparkplatz wegen Bauarbeiten gesperrt war, mussten wir auch noch etwas weiter entfernt parken und so starteten wir mit ungefähr 50 Minuten Verspätung in unser Tagesabenteuer.

07:20 Uhr – Start auf 2088m über NN

Bei Temperaturen ganz knapp im zweistelligen Bereich ging es los und wir waren anfangs froh, zumindest eine leichte Jacke dabei zu haben. Lange sollten wir die aber nicht brauchen, denn die Sonne heizte uns schon nach kurzer Zeit gut ein. Trotz vieler Fotopausen kamen wir gut voran und erreichten bereits nach 45 Minuten das 1,5-Mile-Resthouse auf 1747m über NN. Noch waren wir frisch, daher beschränkte sich die Pause auf das Auffüllen der schon halb leeren ersten Wasserflasche und die Suche nach dem Schild mit den Informationen für den Virtual Cache “Below the Rim”, womit der einfache Geocaching-Punkt für heute erledigt war. Auch wenn es noch früh am Tage war, war hier schon einiges los, denn die Hütte nach 1,5 Meilen ist ein beliebter Umkehrpunkt für die Tageswanderer, die nur mal in den Canyon hineinschnuppern wollen. Wir wollten aber etwas mehr vom Inneren des Grand Canyon sehen und so passierten wir eine weitere Dreiviertelstunde später das 3-Mile-Resthouse auf 1448m über NN.
3-Mile-Resthouse
Auch hier hielten wir uns nicht lange auf, wir hatten schließlich die morgens vertrödelte Zeit gutzumachen. Mittlerweile war es deutlich wärmer als noch beim Start und so füllten wir nur wieder unsere Wasserflaschen auf. Auch wenn wir jeder eine Gallone Wasser, also knapp 4 Liter, im Rucksack dabei hatten, gingen wir lieber auf Nummer sicher. Es gibt zwar theoretisch an jeder der Hütten Trinkwasser, aber man muss immer damit rechnen, dass die Wasserversorgung durch technische Defekte unterbrochen ist. So ist Dehydration dann auch eine der Hauptgefahren, auf die auf den allgegenwärtigen Warnschildern hingewiesen wird. Die kurze und prägnante (zumindest auf Englisch) Hauptaussage dieser Schilder ist aber immer wieder: Down is optional, up is mandatory! Übersetzt heißt das im übertragenen Sinne: Ob du runtergehst, kannst du dir aussuchen. Rauf musst du danach aber auch wieder und zwar ob du willst oder nicht.

09:35 Uhr – Indian Garden, 1159m über NN

Nach nur 2 Stunden und 15 Minuten erreichten wir mit Indian Garden unser erstes Zwischenziel knapp 1000m unter dem Canyonrand. Damit hatten wir den einfachen Teil des Weges hinter uns gebracht. Da wir jetzt doch gut in der Zeit lagen, gönnten wir uns eine kleine Pause in dieser grünen Oase inmitten der ansonsten eher kargen Wüste. Das war auch nötig, denn die Temperatur hatte mittlerweile großzügig die 30°C-Marke überschritten – wohlgemerkt im Schatten. So angenehm es hier aber auch war, brachen wir nach knapp einer halben Stunde wieder auf, um unsere letzte Etappe vor dem Rückweg zu absolvieren.

10:00 Uhr – Das Tonto Plateau

Tonto-Plateau HinwegBis zu unserem Tagesziel, dem Plateau Point, lagen jetzt zwar nur noch 2,3km Weg mit geringem Höhenunterschied vor uns, diese mussten wir dafür aber in der prallen Sonne laufen. Anfangs gab es noch ein paar vereinzelte Agaven, aber schon kurz hinter Indian Garden beschränkte sich die Vegetation wieder auf niedrige Büsche und Kakteen. Einzig unsere Tropenmützen mit Nackenschutz spendeten uns etwas Schatten. Hier zahlte sich aus, dass wir genug Wasser dabei hatten, um uns auch mal etwas über den Kopf gießen zu können, denn nass waren die Mützen nicht nur Schattenspender, sondern auch eine willkommene Abkühlung. Dank der niedrigen Luftfeuchtigkeit war die Hitze aber noch verhältnismäßig gut auszuhalten. Nach 40 Minuten einsamer Wanderung waren wir dann endlich am Ziel.

10:40 Uhr – Plateau Point, 1140m über NN

Plateau Point und Colorado SchluchtAuch über ein halbes Jahr nach dem Urlaub fällt es mir noch schwer, diesen Eindruck in Worte zu fassen. Wir standen vollkommen allein inmitten des Grand Canyons. 3km hinter uns das 1000m hohe South Rim, 7-10km vor uns das noch etwas höhere North Rim und direkt unter uns die 400m tiefe Schlucht des Colorado River, dessen vernehmliches Rauschen das einzige Geräusch weit und breit war. Ich wäre gerne noch etwas länger geblieben, aber da Frau Kescherbande die Hitze mittlerweile doch etwas zu schaffen machte, beeilte ich mich, ein paar Fotos zu schießen, während sie sich im Schatten eines Felsvorsprungs etwas erholte. Nebenbei habe ich noch schnell die nötigen Informationen für den Virtual Cache GC4AFE zusammengesucht, der meine persönliche Motivation für diese Tour war. Danach ging es auf dem selben Weg wieder zurück Richtung Indian Garden. Unterwegs begegneten uns dann tatsächlich noch zwei einsame Wanderer mit leichtem Schuhwerk und nur mit einer Wasserflasche bewaffnet, die sich jetzt erst auf den Weg nach vorn zum Aussichtspunkt machten. Plötzlich kam ich mir mit meinen Wanderschuhen, vernünftiger Kopfbedeckung, Essen und 4 Litern Wasser im Rucksack richtig verantwortungsbewusst vor.
South Rim von unten

Indian Garden11:40 Uhr – Indian Garden

Nach nur 1 Stunde und 40 Minuten waren wir wieder zurück in der grünen Schattenoase. Insbesondere für Frau Kescherbande war eine längere Pause jetzt auch mehr als nötig, da sich bereits leichte Anzeichen eines Sonnenstichs zeigten. So machten wir es uns auf einer Bank direkt neben dem Trinkwasserhahn bequem und ruhten uns erst mal etwas aus. Mit viel Wasser und einem feuchten Handtuch im Nacken ging es dann auch bald wieder etwas besser.
Da wir direkt an der Wasserquelle saßen, kamen wir während unserer Pause auch immer wieder kurz mit anderen Wanderern ins Gespräch, die ihre Wasserflaschen auffüllten. Einige von ihnen waren nicht nur wie wir auf einer Tagestour, sondern hatten im Canyon auf der Phantom Ranch übernachtet und waren morgens um 4:30 Uhr dort gestartet. Wir sollten uns beim Aufstieg noch öfter über den Weg laufen. Kurze Zeit später hing dann auch das Thermometer hier in Indian Garden in der Sonne, so dass wir ungefähr einen Eindruck davon bekamen, was wir auf unserem Abstecher zum Plateau Point gerade ausgehalten haben. Auf dem Foto sind es noch angenehme 42°C, wenig später haben wir als höchsten Wert dann aber sogar 46°C abgelesen.