Vor uns das South Rim

USA Roadtrip – Tag 9 – Grand Canyon – Bright Angel Trail (2)

Immer noch Dienstag, 14. Mai 2013

Grand Canyon – Bright Angel Trail

12:45 Uhr – Aufstieg

Den letzten Blogbeitrag hatte ich mit der Pause in Indian Garden beendet. Aber irgendwann musste auch die schönste Pause zu Ende gehen. Die Mittagszeit ist definitiv nicht die beste Zeit, um den Rückweg zu starten, aber wir wollten trotz vorhandener Taschenlampe nicht das Risiko eingehen, nach Sonnenuntergang gegen 19:30 Uhr noch unterwegs zu sein. Die Informationstafeln am Wegesrand raten dazu, für den Aufstieg mindestens 2-3 mal so viel Zeit einzuplanen, wie für den Weg hinunter. 2 Stunden 15 Minuten hatten wir auf dem Hinweg ohne nennenswerte Pausen gebraucht, also gingen wir für den Weg zurück nach oben von ca. 5-7 Stunden aus, so dass wir es auch im schlechtesten Fall gerade noch bei Tageslicht schaffen sollten.
Vor uns das South Rim
Die ersten 1,5 Meilen bis zum 3-Mile-Resthouse sehen nicht besonders schwer aus, haben es aber in sich. Am Anfang geht es mehr oder weniger geradeaus und noch nicht einmal besonders steil bergauf, dafür bekommt man hier aber noch die volle Sonne ab und es gibt nicht viele Büsche, die groß genug sind, um eine Pause in ihrem Schatten machen zu können. Die wenigen Möglichkeiten nutzten wir dann aber konsequent aus. Andere hatten dieselbe Idee und so gab es ein regelmäßiges Wiedersehen mit anderen Wanderern, die ungefähr zeitgleich mit uns in Indian Garden gestartet waren. Irgendwann begann es dann, in Serpentinen wieder bergauf zu gehen. Auch hier gab es noch nicht viel Schatten, aber immerhin kam die Sonne durch die ständigen Richtungswechsel jetzt nicht mehr immer von derselben Seite.

13:55 Uhr – 3-Mile-Resthouse

Trotz Hitze und zwischenzeitlicher Erschöpfung erreichten wir das 3-Mile-Resthouse schon nach 1 Stunde und 10 Minuten. Damit waren wir trotz der vielen Pausen nur 25 Minuten langsamer als auf dem Hinweg. Im Gegensatz zu heute Vormittag brauchten wir jetzt aber eine ausgiebige Pause. Der einzige schattige Platz war die Schutzhütte, deren Bänke dementsprechend gut belegt waren. Mit ein wenig zusammenrücken war aber immer noch wieder Platz für Neuankömmlinge, da der ein oder andere sich zwischenzeitlich auch wieder auf den Weg machte. In der Hütte wurden dann die besten Strategien für den weiteren Weg diskutiert. Einige der anderen Wanderer überlegten, ob sie einfach bis 16 Uhr Pause machen sollten. Laut einer Infotafel würde dann der gesamte weitere Weg im Schatten liegen. Die Aussicht war verlockend, andererseits war ich aber skeptisch, ob uns dann am Ende nicht das Tageslicht ausgeht. Während wir uns ausruhten, erzählte ein älteres Paar, dass man sich auch keine Hoffnungen auf ein Muli für den Rückweg machen sollte. Die Park Ranger helfen natürlich, wenn sie gerufen werden. Diese Hilfe besteht dann aber darin, den Wanderer wieder soweit aufzupäppeln, dass er selbst den Rückweg antreten kann. Auch Wanderer mit Sonnenstich oder verstauchten Knöcheln müssen auf ihren eigenen zwei Beinen in Begleitung der Ranger wieder nach oben, selbst wenn das bedeutet, alle 50 Meter eine Pause zu machen und bis 4 Uhr morgens unterwegs zu sein. Die Park Ranger setzen dabei auf eine gewisse Nulltoleranzpolitik, denn wenn der Damm mit dem ‚Taxi‘ nach oben erst einmal gebrochen ist, könnten sie sich zukünftig nicht mehr vor Touristen retten, die sich überschätzt haben und lieber den bequemen Weg zurück nehmen wollen. Während wir so weiter Erlebnisse von unseren jeweiligen Touren austauschten, meinte es das Wetter plötzlich gut mit uns und es zogen ein paar leichte Wolken vor die Sonne. Nicht viel, aber genug um die gefühlte Temperatur deutlich spürbar sinken zu lassen. Diese Chance nutzten wir, um gemeinsam mit einigen anderen unseren Weg nach oben fortzusetzen.
Bright Angel Trail - Blick zurück
Mit der sinkenden Temperatur stieg jetzt die Stimmung und damit auch das Tempo. Wir kamen gefühlt deutlich besser voran und waren nicht mehr so ausschließlich auf den vor uns liegenden Weg fokussiert. Es blieb auch mal Zeit, einen teils wehmütigen Blick zurück zu werfen. Nach wieder nur 1 Stunde und 15 Minuten kamen wir dann an der nächsten Hütte an.

15:35 Uhr – 1,5-Mile-Resthouse

Hier war deutlich mehr los als 300m tiefer. Wie bereits beim Hinweg erklärt, ist das 1,5-Mile-Resthouse ein beliebter Wendepunkt für Tagestouristen, die nur mal ein klein wenig Canyonluft schnuppern wollen. Dementsprechend voll war es jetzt am Nachmittag.
Muli am 1,5-Mile-Resthouse
In der Hütte war kein Platz mehr, aber zum Glück lag auch der Weg jetzt schon größtenteils im Schatten der Canyonwand, so dass wir uns einfach ein Plätzchen am Wegesrand suchten, um etwas auszuruhen. Während wir uns stärkten, kamen zwei Mulis vorbei, deren Reiter aber nicht auf den herausgestreckten Daumen reagierten. Nach 10 Minuten Pause machten wir uns also wieder auf unseren eigenen Beinen auf den Weg.
Die letzten 1,5 Meilen sind das Wegdrittel mit dem größten Höhenunterschied. 588 Höhenmeter haben wir auf den 3 Meilen seit Indian Garden bereits geschafft, 341 Höhenmeter liegen noch vor uns. Langsam machen sich die bisher fast 17km Wanderstrecke bemerkbar und so waren wir froh, den zweiten Tunnel (von oben gesehen) zu passieren.
Bright Angel Trail Tunnel
Damit hatten wir nämlich die Hälfte der letzten Etappe absolviert und waren nur noch einen guten Kilometer vom Startpunkt unserer Wanderung entfernt. Punkt 17:00 Uhr hatten wir es dann geschafft: Das South Rim hatte uns wieder. Zurück am Parkplatz hieß es dann erst mal, den hartnäckigen roten Staub loszuwerden, der sich in jeder Pore festgesetzt hatte. Wie wir später im Hotel feststellen sollten, waren wir dabei nur bedingt erfolgreich. Die Dusche am Abend sah aus wie nach einem Blutbad und die Schuhe stauben wahrscheinlich heute noch etwas, wenn man sie ordentlich ausklopft.

Tagesfazit

Frau Kescherbande hat es schön zusammengefasst: Sie sagt immer, es war der anstrengendste Tag in ihrem gesamten Leben, gleichzeitig aber auch einer der schönsten Tage. Für mich war der Tag so überwältigend, dass ich ihn gerne wiederholen würde. Einziges Manko war, dass es für die Wanderung zum Plateau Point keine passenden T-Shirts im Souvenirshop gab. Sie hatten dort nur T-Shirts mit der Aufschrift „I hiked the canyon rim to rim“ („Ich habe den Canyon von einem Rand zum anderen durchwandert“). Beim nächsten Mal plane ich, mir eins davon zu verdienen.