Samstag, 18. Mai 2013

Page – Kanab

Kanab, unser Tagesziel, lag auf direktem Weg nur 120km entfernt. Da wir bis jetzt aber eigentlich nie den direkten Weg zu einem Ziel gewählt hatten, sollten wir auch heute nicht damit anfangen. Der ursprüngliche Plan, Page auf der US89 Richtung Süden zu verlassen und dann über die US89A Richtung Kanab zu fahren, hätte uns am Marble Canyon und mit einem weiteren “kleinen” Abstecher am Grand Canyon North Rim vorbeigeführt. Dieser Plan wurde aber schon vor Reiseantritt durch einen massiven Erdrutsch auf der US89 vereitelt. Die Beschädigungen an der Straße waren so umfangreich, dass die Straße selbst jetzt – ein Jahr später – immer noch gesperrt ist. Seit August 2013 gibt es immerhin eine Behelfsstraße, die einem zumindest den ganz großen Umweg erspart. Wir entschieden uns im Mai für die kürzere Alternativroute, auch wenn wir dafür den Marble Canyon streichen mussten. So fuhren wir also über Kanab zum Grand Canyon, um danach wieder zurück nach Kanab zu fahren. Bevor wir Page verließen, machten wir aber noch einen kurzen Abstecher zum Horseshoe Bend.

Horseshoe Bend

Horseshoe BendZu unserem Glück war die Zufahrt zum Horseshoe Bend trotz Sperrung der US89 noch möglich. Das erste Stück Weg vom Parkplatz aus fühlt man sich fast wie an einem Strandaufgang: Es geht erst mal ein Stück eine Düne hinauf. Von oben kann man das Hufeisen dann schon erahnen. Um es in seiner ganzen Schönheit zu sehen, muss man aber noch dichter ran. Nach ungefähr 700m Weg standen wir dann direkt an der Kante. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte hier lieber etwas mehr Abstand halten, denn es geht 300 Meter nahezu senkrecht in die Tiefe. Morgens hat man hier die Sonne im Rücken – sofern sie denn scheint. Leider war es heute eher bedeckt, wodurch dem Foto etwas die Farben fehlen. Der bedeckte Himmel war dann auch ein Grund, weswegen wir den Besuch im Antelope Canyon ausgelassen haben. Bei den ungünstigen Lichtverhältnissen waren uns mindestens 38 Dollar Eintritt pro Person dann doch etwas viel. Vielleicht haben wir ja bei einem möglichen nächsten Besuch mehr Glück. So machten wir uns dann vom Horseshoe Bend aus ohne große Pausen auf den Weg zum Grand Canyon North Rim. Bei 0:40min (GCGHNB) und 4:56min (GCYF08) war immerhin Zeit für einen Cache.

Grand Canyon North Rim

Nach 250 Kilometern und dreieinhalb Stunden Fahrt erreichten wir das Ziel. Da heute Samstag war, herrschte schon reger Besucherverkehr, auch wenn das North Rim erst vor wenigen Tagen aus dem Winterschlaf erwacht war. Selbst ohne unsere Nationalpark-Jahreskarte hätten wir übrigens nicht extra Eintritt zahlen müssen, da das reguläre Ticket 7 Tage in beiden Teilen des Nationalparks gültig ist.
Grand Canyon North Rim
Nach einem kurzen Abstecher zu Besucherzentrum und Souvenirladen, machten wir uns auf den Weg zum Bright Angel Point Trail. Der knapp 1 Kilometer lange, asphaltierte Weg führt über einen schmalen Felsgrat zu dessen Spitze, dem Bright Angel Point. Mit Höhenangst kann es schwierig werden, ganz nach vorne zu kommen, da es rechts und links doch teilweise recht dicht am Weg ziemlich steil in die Tiefe geht. An der Spitze wird man dafür aber mit einem spektakulären Ausblick in den Canyon belohnt. Heute hingen die Regenwolken tief über dem Canyon und auch hier am Bright Angel Point nieselte es ganz leicht.
Bright Angel Point Trail
Um das North Rim noch von einer weiteren Seite zu sehen, ging es jetzt weiter zum Cape Royal. Der Weg dorthin macht als Fahrer besonderen Spaß, da es 35 Kilometer über eine verhältnismäßig schmale (deutsches Landstraßenniveau), herrlich gewundene Straße geht. Daher braucht man für das eigentlich kurze Stück auch eine gute Stunde, denn die Höchstgeschwindigkeit ist meistens auf 25 Meilen pro Stunde begrenzt.

Vom Parkplatz am Ende der Straße führt ein etwa 1,5 Kilometer langer Weg zum Cape. Unterwegs kommt man aber erst noch am Angels Window, dem einzigen einfach zugänglichen Felsbogen im Grand Canyon, vorbei. Obwohl das Loch im Fels momentan wirklich noch verhältnismäßig klein und eher rechteckig wie ein Fenster ist, wird es doch in einigen zehntausend Jahren einen schönen Bogen abgeben. Auf dem Bild sieht man übrigens den Colorado grün durch das Fenster schimmern, den man laut den Schildern vor Ort vom North Rim aus nicht sehen können soll.
Angels Window
Der Felsvorsprung, in dem sich das Angels Window befindet, ist begehbar und so genossen wir von dort ein wenig die phantastische Aussicht. Im Gegensatz zum Bright Angel Point war das Wetter hier deutlich besser und die Sonne zeigte sich über dem Canyon. Wir setzten die kurze Wanderung fort und waren wenig später am Cape Royal. Hier erwartete uns wieder ein anderer Anblick des Canyons, denn auch wenn die einzelnen Aussichtspunkte heute nicht weit entfernt voneinander lagen, schaut man doch von jedem wieder in eine andere Richtung.
Am Cape Royal stieß ich auch rein zufällig auf meinen ersten Benchmark. Ich hatte die kleinen Vermessungsplaketten vorher gar nicht auf dem Schirm, aber da ich hier nun auf einer stand, wurde sie natürlich fotografiert und die Koordinaten aufgenommen. Später im Hotel sollte ich dann auch herausfinden, was ich mit den Informationen anfangen und wo ich den Benchmark loggen konnte. Mittlerweile war es schon später Nachmittag, weshalb wir uns langsam wieder auf den fast dreistündigen Rückweg nach Kanab machten. Nur am Walhalla Overlook hielten wir noch einmal kurz an, um ein letztes Mal einen Blick in den Grand Canyon zu werfen.
Walhalla Overlook

Kanab

Zurück in Kanab hatten wir keine Mühe, unsere Unterkunft zu finden. Hier hatten wir wieder ein klassisches Motel gebucht. Unser Zimmer lag in der oberen der beiden Etagen, moteltypisch mit Parkplatz direkt vor der Tür. Auch hier gab es nichts zu bemängeln, das Zimmer war sauber und gut gepflegt. Zum Abendessen machten wir uns wieder etwas von unserem mitgebrachten Essen warm und ließen den Tag ruhig ausklingen.